Jeder hat sein Päckchen zu tragen…Hay-ray!

Heute ist einer dieser Tage. Einer dieser Tage, an denen man das idyllische Landleben irgendwie anders in Erinnerung hatte. Vorsicht! Jetzt kommt eine Jammer-Passage: Mein Rücken tut weh, mit meinen Händen könnte ich Katoffeln reiben und ich habe überall blaue Flecken. Die naturnahe Haltung fordert ihren Tribut. Momentan ist unsere Weidefläche zu nass, sodass die Tiere nicht überall hingelangen können. Die leichtgewichtigen Pferdejungs haben kaum Probleme, aber wenn man über eine Tonne Lebendgewicht auf die Waage bringt, dann sollte man sich genau überlegen, ob der Boden einen trägt. Instinkt ist eben alles! Nun zum unerfreulichen Teil, jedenfalls für mich. Damit die Tiere keine unfreiwillige Diät machen, bekommen sie jeden Tag etwas Heu zu fressen – den Rest der Ration stellen sie sich dann eigenständig zusammen. Aus naturschutzfachlichen Gründen, füttere ich nur an bestimmten Stellen. Man macht das unter Anderem so, damit keine Samen auf sensible Flächen fallen und sich dort ausbreiten. Die Sache hat nur einen Haken! Ich muss einen richtigen Marsch zurücklegen, um mein Heu loszuwerden. Also bedeutet das eine Kletterpartie, durchwaten von Tümpeln und Hindernisparcours zwischen Bäumen. Normalerweise sehe ich das einfach als Training. Fitnessstudios sind sowieso geschlossen – so what?! Aber heute war es richtig übel: Förster warnen davor, den Wald zu betreten. Dumm nur, wenn man Tiere dort stehen hat, die offenbar recht stoisch schwankenden Fichten gegenüber sind. Sie könnten natürlich auch woanders hingehen. Aber im Wald ist es wohl gemütlich, trotz oder gar wegen der tanzenden Tannen?! Heute lief bei meinem Crosslauf also auch noch die Uhr! Und was soll ich sagen: 27, 3 Minuten für die reine Heulieferung. Das ist Rekord! Vielleicht sollte ich noch kurz erwähnen, dass so ein Heupäckchen rund 12, 5 Kilogramm wiegt. Die letzten Päckchen sind immer besonders schwere 12, 5 Kilogramm – ganz ehrlich! Aber wenn ich in die glücklichen Augen meiner Herdenmitglieder schaue und sie genüsslich kauen höre – ja dann ist die Welt plötzlich irgendwie in Ordnung. Ganz so, als wäre das Landleben immer so idyllisch gewesen. Deshalb jammere ich auch nicht mehr – ja, wirklich. Versprochen! Denn schließlich hat jeder sein Päckchen zu tragen – und keines könnte besser duften, als meins!

Today is one of those days. One of those days when you remembered idyllic country life somehow differently. Attention! Now comes a lament passage: My back hurts, I could rub potatoes with my hands and I have bruises everywhere. The near-natural attitude takes its toll. At the moment our pasture is too wet so that the animals cannot get everywhere. The lightweight horse boys hardly have any problems, but when you weigh over a ton of live weight, you should think carefully about whether the ground will carry you. Instinct is everything! Now for the unpleasant part, at least for me. So that the animals do not go into an involuntary diet, they are given some hay every day – they then put together the rest of the ration independently. For nature conservation reasons, I only feed in certain places. One of the things that is done is to prevent seeds from falling and spreading on sensitive biotopes. There is only one catch! I have to walk a real hike to get rid of my hay. So that means climbing, wading through pools and an obstacle course between trees. I usually just see this as training. Gyms are closed anyway – so what ?! But today it was really bad: foresters warn against entering the forest. It’s just stupid when you have animals standing there that are obviously quite stoically swaying spruce trees. You could of course go elsewhere. But it is cozy in the forest, despite or even because of the dancing fir trees ?! So today the clock was still running during my cross-country run! And what can I say: 27.3 minutes for the pure hay delivery. That’s a record! Perhaps I should briefly mention that such a hay package weighs around 12.5 kilograms. The last packages are always particularly heavy 12.5 kilograms – to be honest! But when I look into the happy eyes of my herd members and hear them chewing with relish – then suddenly the world is somehow all right. It’s as if country life had always been so idyllic. That’s why I don’t moan anymore – yes, really. Promised! After all, everyone has to carry their own package – and none could smell better than mine! Hayray!

Good news!

Er ist da! Ich habe ihn heute gesehen. Den Vor-Vor-Frühling. Ganz bestimmt, er muss es sein. Gut, er trug noch ein eisiges Gewand, aber unter den glitzernden Schichten schlug ein grünes Herz. Aber er ist ein scheues Geschöpf. Kaum hatte er mich entdeckt, da entschwand er auch schon wieder. Aber Eines ist sicher: Er wird zurückkehren. Lasst Euch nicht täuschen! Unaufhaltsam bricht sich das neue Leben Bahn. Auch wenn wir äußerlich frösteln, tief in unserem Inneren erwächst auch in uns der Frühling. Jedes Jahr aufs Neue. Uralt und immer neu. Die Tiere wissen es bereits. Sie kennen den Vor-Vor-Frühling wahrscheinlich gut. Er hat sie schon öfter besucht. Und sie danken es ihm mit Übermut und Ausgelassenheit. Was gibt es Schöneres als sich von der Sonne den dicken Pelz wärmen zu lassen? Allerhöchstens noch dabei zu Träumen – vom Vor-Vor-Frühling natürlich!

He is there! I saw him today. The pre-pre-spring. Definitely, it has to be. Well, he was still wearing an icy robe, but a green heart beat beneath the glittering layers. But he’s a shy creature. No sooner had he discovered me than he disappeared again. But one thing is certain: he will return. Do not be fooled! Inexorably the new life breaks out. Even if we shiver on the outside, spring grows deep inside us. Every year anew. Ancient and always new. The animals already know. They probably know pre-pre-spring well. He has visited them several times. And they thank him with hig spirits and enjoyment of life. What could be nicer than letting the sun warm your thick fur? At most, still dreaming – of pre-spring, of course!

Deshalb möchte ich heute etwas in Erinnerungen schwelgen und präsentiere Euch eine kleine, aber schon grüne Fotoauswahl – ganz bald sieht es wieder so aus. Wer sich nicht satt sehen kann, der besuche uns auf Instagram – dort sprießen jeden Tag neue Fotos… 😉
Therefore, today I would like to reminisce and present you a small, but already green selection of photos – it will look like this again very soon. If you can’t see enough, visit us on Instagram – there are new photos springing up every day … 😉

Räumkommando!

Auff(r)essen statt plattliegen.

„Die haben ja nichts mehr zu Fressen!“ entfährt es manchem, besorgten Spaziergänger. Und ja, es hat tätsächlich unglaublich geräumt. Aber keine Sorge: Wer täglich auf der Wiese unterwegs ist, kann noch so manchen Leckerbissen entdecken – jedenfalls aus Büffelsicht. Natürlich kommen bei uns Menschen, Köstlichkeiten wie verholzte Rasenschmiele oder ein wehrhaftes Schlehengebüsch nicht auf dem Speiseplan. Unsere tierischen Teammitglieder sehen das ganz anders. Und das ist auch gut so! Schließlich reden wir hier von einem Offenlandbiotop, wie es so schön im Fachjargon heißt. Kurz gesagt, ist das einfach eine Fläche ohne höheren Bewuchs, wie Bäume oder Gehölze. Job erledigt – denkt man auf den ersten Blick. Aber es lohnt sich, mal genauer hinzuschauen, was vier Büffel und zwei Huzulenpferde in den nächsten Wochen noch zu tun haben werden.

Als zunächst vier, behornte Gärtner die neue Fläche eroberten, ging es erstmal um Rodungsarbeiten. Im Video „Da ist was im Busch“ bei Barosan eindrucksvoll zu sehen. Und dabei hat jeder Einzelne seine ganz individuelle Technik, die man aber auch erstmal lernen muss. Bei Barosan sah es am Anfang nun wahrlich nicht so professionell wie heute aus. Im Gegenteil – dicke Augen inklusive. Ja, so ein Ast kann ganz schön garstig sein, ein Eigenleben entwickeln und urplötzlich zurück ins eigene Gesicht flitschen. Aua. Wie oft kam ich morgens auf die Weide und fand Barosan vor, der aussah als hätte er Rocky Balboa getroffen. Dabei versuchte er nur ein guter Landschaftspfleger zu werden. Manches Mal war ich sogar live dabei: Bei einem Mal standen Dochia und ich fassungslos da, während Mister B sich einen Ast zu angeln versuchte. Da er viel zu knapp angesetzt hatte und trotzdem immer weiter zog, war klar was jetzt gleich passieren würde. Aua. Dochia und ich rissen die Köpfe hoch und mir entfuhr ein lautes „Neeeiiin!“. Barosan bog den Ast, siegessicher, immer weiter nach hinten – und rutsche ab. Flitsch! Das biegsame Weidengeäst traf mit voller Wucht sein linkes Auge. Dochia drehte sich um und ging davon. Höchstwahrscheinlich hatte sogar sie keine Hoffnung mehr, dass die Gärtner-Karriere Barosans doch noch in Gang kommen würde. Er sah ziemlich verdutzt aus und kniff das Auge zu, das heftig zu tränen begonnen hatte. „Was machst du denn?!“ Mir tat es furchtbar leid, aber anders trat wohl einfach kein Lerneffekt ein. Heute, etliche, dicke Augen und Jahre später, ist er ein waschechter Profi. Ein Bio-Bagger im XXXXL-Format.

Und auf der Fläche gibt es noch Einiges zu tun. Seggenbestände, die noch gekürzt werden müssen. Ecken mit Mädesüß-Hochstauden und verholzte Rohrkolbenbestände. All das muss noch aufgeräumt werden, damit im nächsten Frühjahr neues Leben entstehen kann. Ist der Boden nämlich bedeckt, von einer dicken Schicht aus altem Material, dann haben es die sogenannten Lichtkeimer sehr schwer. Zu undurchdringlich ist die pflanzliche Decke. Zum Glück gibt es jedoch sechs wackere Helden, die das nicht zulassen werden. So wird die Fläche im nächsten Frühjahr bestimmt wieder einige gold-gelbe Blüten der Sumpfdotterblume aufweisen. Dafür sollte das Motto in diesem Herbst jedoch lauten: „Alles muss raus!“. Altbestände sind quasi „Heu auf dem Halm“. Man muss sich die Ration selbst zusammenstellen und sich Gedanken über gesunde Ernährung machen! Aber die Platte wird geputzt und an glänzendem Fell und glänzenden Augen sieht man, dass alles im grünen Bereich ist. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Hungergrube ist eine Einsenkung der Bauchwand, und wie der Name schon sagt, eine Indiz für – genau Hunger. Sie muss nicht 24/7 gut gefüllt sein, aber selbstverständlich auch nicht ständig sichtbar. Ich habe verzweifelt versucht ein Foto meiner Mannschaft zu finden, auf dem eine Hungergrube mal vernünftig sichtbar ist – was soll ich sagen: es ist mir nicht gelungen.

Das Räumkommando hat also offensichtlich eine ausgeglichene Work-Life-Balance. Das stimmt mich, die menschliche Leitkuh froh – denn wiederkäuende Büffel (siehe Beitragsbild) sind glückliche Büffel. Aufessen statt Plattliegen als Lebensphilosophie – na dann guten Appetit!