Sommer(l)Ich

Lieber Leserschaft! In den letzten Wochen war so Einiges los in der Büffelei: Blutentnahme, Fernseh-Drehtage, Büffel-Besichtigungen und die vielen, kleinen alltäglichen Arbeiten. Und plötzlich wurde mir ganz schön warm! Denn er ist da, der Sommer. Und zwar so ein richtiger, echter Sommer – mit wunderschönen lauen Nächten und flirrend heißen Tagen. Die ersten Heuballen sind schon eingelagert und mahnen mich, dass der nächste Winter bestimmt kommen wird. Aber daran will ich jetzt noch gar nicht denken! Ich genieße die Zeit. Arbeit gibt es natürlich – Großvieh macht viel Mist. Und in der Zwischenzeit ist auch so Einiges passiert. Die alljährliche Büffel-Blutentnahme haben wir mit Bravour hinter uns gebracht. Barosan war als letzter dran. Während Dochia noch im Fangstand randalierte und versucht hat das Ding mit dem Horn aufzuhebeln – von Physik hat sie also auch noch Ahnung – machte er sich im Treibgang stehend, unsichtbar. Es war urkomisch, denn obwohl er sich nicht bewegte, keinen Ton von sich gab und versuchte möglichst unauffällig auszusehen, gelang ihm dies nicht. Er ist mittlerweile so groß geworden, dass ich die Befürchtung hatte, er würde im Gang steckenbleiben. Er vermied es auch tunlichst den Tierarzt anzuschauen – nur nicht provozieren! Genützt hat es ihm natürlich nichts. Was das Anstarren angeht, war der Herdenchef ziemlich hartnäckig: Nach Beendigung dieser Unannehmlichkeiten und Freiheitsberaubung, blieb Decebal noch minutenlang direkt hinter dem Zaun stehen und nahm den Tierarzt ins Visier, den Kopf hoch erhoben und stolz seine prächtigen Hörner präsentierend. Das verfehlte seine Wirkung nicht! Selbst beim Einsteigen in sein Fahrzeug wurde der Veterinärmediziner noch ausgiebig beobachtet – das fand selbst der erfahrene Arzt ziemlich bemerkenswert und es entfuhr ihm ein „Der schaut ja immer noch zu mir!“. Hauptsache ich habe nun nicht den schwarzen Peter, als Tierarzt ist man eben immer der „böse Mann“. Das wäre kein Job für mich!

Wobei, ganz so stimmt das nicht! Ich bin gerade wieder als Physiotherapeut tätig. Kozak hat offensichtlich irgendwo mit der Nase gebremst und sich ein paar Zerrungen eingefangen. Also komme ich nun täglich in den Genuss eines gratis Arm-Workouts und er bekommt seine Massagen. Dabei werden wir von daumenlangen Rinderbremsen gepeinigt und schlagen alle wie wild um uns. Landidylle pur. Zumindest nach getaner Arbeit. Der Bach ruft und ich folge seinem Ruf willig. Die Kirschen leuchten rot am Baum und schmelzen süß im Mund. Leider wurde ich im Kirschkernweitspucken von einem knapp 80jährigen Veteran vom Thron gestoßen. Naja, ich habe noch über 40 Jahre Zeit meine Technik zu perfektionieren. Das Korn steht schon hoch auf den Feldern und zum Glück blitzt es hier und da noch rot hervor – ein paar Mohnblumen geben sich der Landschaft als Farbtupfer hin. Ich genieße den Sommer und besonders die Sommernächte. Ich liebe die Düfte, die am Abend in der Luft liegen. Gras, das gerade zu Heu wird – der erdige, kühle Geruch des Baches. Glühwürmchen tanzen vor meinem Fenster und leuchten durch die Nacht, ich sitze staubig, verschwitzt und schmutzig auf meiner Bank – und mein SommerIch ist unheimlich froh, ein gutes Leben zu haben.

 

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